Runde Tische „Grün in der Stadt“ am 20. und 21.10.2016

Sowohl Zivilgesellschaft als auch Wirtschaft tragen in vielfältiger Weise zur Entwicklung und Unterhaltung von Grün- und Freiräumen bei und haben spezifische Interessen und Anliegen hinsichtlich des Grün- und Freiflächenangebots in der Stadt. Ein Ziel der Runden Tische war es, die Kenntnisse und Sichtweisen engagierter Akteure zu diskutieren und von ihren Erfahrungen zu lernen.
Im Mittelpunkt der Gespräche standen folgende Fragen:

- Was motiviert die Teilnehmenden zum Engagement für das Grün in der Stadt?
- Was ist zu tun, um das Stadtgrün und das Engagement zu befördern?
- Welche Akteure sind wichtig, welche Kooperationsformen sind zu entwickeln?
- Welche Erwartung haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an den Bund?

Runder Tisch Wirtschaft
Am Runden Tisch Wirtschaft nahmen neben BMUB, BBSR und der Forschungsassistenz sieben Vertreterinnen und Vertreter von Unternehmen, Verbänden und kommunalen Betrieben teil.
Das Gespräch machte deutlich, dass Stadtgrün nicht nur als Kostenfaktor, sondern auch als wirtschaftlicher Standortfaktor und ein imageförderndes Element der Außendarstellung verstanden werden muss. Es lohnt sich, in die Qualität von Grünflächen zu investieren – in gleichem Maße ist die quantitative Ausweitung von Grünflächen vor allem vor dem Ziel, kostengünstigen Wohnraum zu ermöglichen, sehr sorgfältig zu prüfen.
Darüber hinaus betonten die Teilnehmenden auch die wichtigen ökologischen und sozialen Funktionen des Grüns. Hier motiviert vor allem der unzureichende Pflege- und Erhaltungszustand vieler Grünflächen private Akteure zu Engagement. Es wurde aber unterstrichen, dass privates unternehmerisches Engagement nicht dazu geeignet sein kann, fehlende öffentliche Mittel zu kompensieren.
Aus Sicht der Teilnehmenden wirken sich komplexe Entscheidungswege und Zuständigkeitsregelungen in den kommunalen Verwaltungen, unklare Haftungsfragen sowie Compliance-Regeln oft hemmend auf privates Engagement aus. Daher ist nach Wegen zu suchen, privatwirtschaftliche Initiativen noch stärker zu unterstützen. Die Einbindung vermittelnder Akteure wie etwa Umweltbildungseinrichtungen oder gemeinnützige Vereine kann sinnvoll für die unkompliziertere Gestaltung von Prozessen sein. Angeregt wird die Einrichtung von Online-Plattformen für die Bewerbung und Organisation von Pflegeaktionen.
Von Bundesseite wünschen sich die Teilnehmenden unter anderem strukturierte Informationsangebote beispielsweise zu Finanzierungsmodellen sowie zur rechtlichen Ausgestaltung von Kooperationsformen und öffentlich-privaten Partnerschaften wie die Formulierung eines Muster-Rahmenvertrages.

Runder Tisch Zivilgesellschaft
Am Runden Tisch Zivilgesellschaft nahmen neben BMUB, BBSR und der Forschungsassistenz sechs Vertreterinnen und Vertreter von Stiftungen, Bürgerinitiativen und Urban-Gardening-Projekten teil.
Von den Teilnehmenden wurde hervorgehoben, dass das zivilgesellschaftliche Engagement für Stadtgrün nicht nur das Bewusstsein für das Grün allgemein, sondern auch für Fragen der Biodiversität und ökologischen Vielfalt wecken kann. Das Engagement im Stadtgrün hat aber auch eine soziale Aufgabe, wenn mit dem gemeinsamen Aneignen von Freiräumen Nachbarschaft gestärkt und Teilhabe unterstützt wird.
Zivilgesellschaftliche Akteure würden sich dabei etwas mehr Hilfestellung von den Kommunen wünschen. Sie können zivilgesellschaftliche Initiativen zum Beispiel bei der Suche nach Flächen oder in der Vermittlung von Flächen auf Grundstücken der Wohnungswirtschaft, auf untergenutzten Kleingartenarealen oder auf Zwischennutzungsflächen unterstützen.
Die zivilgesellschaftlichen Akteure sehen ihre Aufgabe unter anderem in der Netzwerktätigkeit. Dazu könnte zum Beispiel ein Dachverein für zivilgesellschaftliche Initiativen hilfreich sein. Auf der Seite der Kommunen können Kümmerer in den Verwaltungen unterstützend wirken. Diese sollten mit zivilgesellschaftlichen Initiativen kooperieren und neue Anstöße geben.
Die größten Hemmnisse liegen einerseits in der wenig transparenten Flächenverfügbarkeit für zivilgesellschaftliches Engagement und schließlich in der Finanzierung bei der Nutzung öffentlicher Räume. Viel wird erreicht, wenn es gelingt Nutzungsvereinbarungen für Zwischennutzungen, wie auch für die dauerhafte Nutzung öffentlichen Grüns abzuschließen.
Von Seiten des Bundes wäre die Stärkung der Aufmerksamkeit für die Bedeutung des Stadtgrüns und die ausdrückliche Würdigung des bürgerschaftlichen Engagements zum Beispiel in bundesweiten Wettbewerben sehr hilfreich.